Virtuelle Beziehungen: Eine gute Idee?

Paradoxerweise sind die Möglichkeiten, ständig in Kontakt zu bleiben, nie so groß gewesen wie heute. Die Vielzahl unserer virtuellen Freunde beweist dies. Aber so „positiv“ diese auch als Begleitung und Stärkung unserer echten Beziehungen „von Mensch zu Mensch“ ein mögen, völlig ersetzen können sie diese nicht. 

Problematisch wird es, wenn der virtuelle Freundeskreis wichtiger wird als der echte… Da die Mitteilungen, die auf den sozialen Netzwerken verbreitet werden, auch von allen gelesen werden können, sind sie meistens nicht sehr tiefgründig und wenig authentisch. Viele sind nur da, um Eindruck zu schinden. Der „emotionale Nährwert“ ist sehr gering und es kommt zu Vergleichen („Die haben aber viel schönere Ferien verbracht, als ich“). Jüngste Studien scheinen sogar zu beweisen, dass übermäßiger Facebook-Konsum Depressionen fördert. Immer wieder zu vergleichen, schlägt aufs Gemüt. Grundsätzlicher noch: wir sollten uns vor Augen halten, dass diesen virtuellen Kontakten etwas fehlt. Natürlich können wir uns regelmäßig sehen und hören, aber wir können die echte Gegenwart eines Menschen nicht „fühlen“, ein Augenzwinkern austauschen, die gleiche Luft einatmen, und noch weniger einander berühren. Es gibt keinen warmen Handschlag, keine Umarmung, kein Kuss… Das ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, von dem wir manchmal sogar keine Ahnung haben, das aber zu kurz kommt: berühren und berührt werden. 

Wir hatten bereits erwähnt, dass ein Baby körperliche Berührung braucht, um sich zu entfalten. Dieses Urbedürfnis besteht ganz tief in uns fort, auch im Erwachsenenalter. Wenn diese Kontakte uns fehlen, versuchen wir sie zu kompensieren, sei es durch ständiges Knabbern, ein Gläschen über den Durst, aber meistens durch die (begierige) Suche nach Anerkennung. Die Folge? Sicher mit noch mehr Posts im Netz, die nichts sagen als „Seht mich an“ und deren Antwort leider ein noch stärkeres „Seht mich an“ ist. Das ist ein Teufelskreis. Um diesem zu entrinnen, ist es von wesentlicher Bedeutung, neue echte Beziehungen von Mensch zu Mensch zu suchen. 

Wieder ein lebendiges Netz schaffen

Unser Weg zur Gesundheit geht über die Wiederherstellung wertvoller Kontakte, gesunder Berührung: sich wirklich treffen, feste Bande knüpfen, es wagen, sie die Hand zu schütteln oder sich zu umarmen, das sind wahre Quellen des Wohlbefindens, die letztlich von wesentlicher Bedeutung für unsere Gesundheit sind. Sicher ist es nicht unbedingt einfach, Beziehungen zu knüpfen, aber auf sie zu verzichten, kann zu einem tiefen Unbehagen führen. Zum Glück ist der Menschen als „Beziehungswesen“ im tiefsten Innern auf andere ausgerichtet. Den ersten Schritt zu wagen und für andere offen zu bleiben, das ist meistens schon mehr als genug, um neue Freundschaften zu knüpfen.